CONCEAL: Verbergen (5C Design, Teil 3)

Verbirg so viel der internen Struktur eines Bausteins und der Art der Umsetzung vor der Außenwelt wie möglich.

  1. Software-Entwurf: Ein Blick zurück und nach vorn
  2. CUT: Richtig schneiden
  3. CONCEAL: Verbergen
  4. CONTRACT: Schnittstelle festlegen
  5. CONNECT: Verbinden
  6. CONSTRUCT: Aufbauen
  7. Its a Wrap: Zusammenfassung

Es war 1972 als David Parnas sein visionäres Papier mit dem Titel “On the Criteria To Be Used in Decomposing Systems into Modules” veröffentlichte. Während Parnas hier viele Aspekte der Modularisierung angesprochen hat, ist es inzwischen hauptsächlich noch für eines bekannt, und zwar für die Formulierung des Information-Hiding Prinzips. Alles, von dem man annahm, dass es sich später ändern könnte, sei vor der Außenwelt zu verbergen. So hat man die Garantie, dass es von außerhalb eines Bausteins niemals Abhängigkeiten dazu geben wird. Dadurch kann dies später jederzeit isoliert geändert werden. Ich unterstreiche das und gehe sogar noch weiter: Verbergen Sie am besten einfach alles, was sich verbergen lässt. Standardmäßig sollte einmal alles zunächst einmal verborgen sein. Nur wenn es außerhalb wirklich benötigt wird, sollte es auch veröffentlicht werden. Schließlich ist es schwierig vorherzusehen, was tatsächlich später einmal geändert werden muß.

Einer der Vorzüge der aktuell so beliebten Microservices ist, dass dabei Interna der einzelnen Module (dort eben Microservices genannt) automatisch hinter einer Remote-Schnittstelle (hier oft REST) verborgen werden. Durch den Verteilungsaspekt eines Service sind das nicht nur die konkreten Komponenten, sondern auch deren Laufzeitumgebung und die jeweils eingesetzte Technologie zur Implementierung.

Die verschiedenen Technologien bringen allerdings selbst bereits Dinge mit, um Subbausteine zu verbergen. In Java ist dies wie folgt möglich, wobei wir auf der niedrigen Abstraktionsebene beginnen und danach “nach außen zoomen”:

  • Innerhalb einer Klasse lassen sich einzelne Member (wie Methoden und Variable) verbergen, beispielsweise mit dem private-Keyword. In Java hat sich eingebürgert Instanzvariable einer Klasse prinzipiell zu verbergen, und wenn, dann nur über sogenannte getter und setter zu veröffentlichen.
  • Klassen lassen sich innerhalb eines Java-Packages verbergen, indem man diese als package-protected definiert. Die Angabe erfolgt dann ohne visibility Modifier in der Klassen-Deklaration.
  • Ab Java 9 können Packages mittels JigSaw (nähere Infos dazu hier) zu Modulen zusammengefasst werden. Dabei kann man gezielt Packages exportieren oder vor der Außenwelt verbergen.

Facade Pattern

Eine Möglichkeit um das Information-Hiding Prinzip umzusetzen stellt das Facade Pattern dar (nähere Infos dazu hier). Bei einer Fassade handelt es sich um einen dezidierten Einstiegspunkt in ein Modul oder Subsystem. Die einzelnen Bestandteile werden gezielt verborgen und jede Interaktion mit ihnen von außen erfolgt über die Fassade. Bei einer REST-API eines (Micro-)Service beispielsweise handelt es sich im Grunde ebenfalls auch immer um eine Fassade.

Law-of-Demeter / Principle of least Knowledge

Beim Law-of-Demeter (zum Ursprung und Namen des Prinzips siehe hier) handelt es sich um einen Spezialfall des Information-Hiding Prinzips. Für den Consumer einer Schnittstelle soll das Zusammenspiel des Providers mit anderen Komponenten möglichst verborgen sein. Der Consumer vemeidet dadurch Abhängigkeiten zu den vom Provider verwendeten weiteren Komponenten. Im folgenden Listing muss der Fahrer wissen, aus welchen einzelnen Bauteilen das Auto besteht, um es zu verwenden. Für die Hersteller des Autos hat dieses Design den Nachteil, bei Änderungen die Fahrer informieren zu müssen, damit diese sich darauf einstellen können.


Car wartburg = new Car();
wartburg.getSeatbelt().fasten();
wartburg.getEngine().start();

Im folgenden Listing sind diese Probleme behoben. Nun kann ich den Verbrennungsmotor durch Elektromotoren auswechseln, die an den Radnaben montiert sind, und außerdem den Start des Autos verweigern, sollte sich der Fahrer nicht angeschnallt haben. Den Fahrer muss ich über diese Änderungen gar nicht informieren.


Car tesla = new Car();
tesla.secureDriver();
tesla.activate();

Wenn Sie konsequent Dinge verbergen stellt sich die Frage, wie den möglichen Consumern der Zugang zur Funktionalität des eigenen Bausteins gewährt werden soll. Hier kommen dann Schnittstellen ins Spiel, was uns auch zu unserem nächsten Beitrag dieser Serie bringt, nämlich: “CONTRACT: Schnittstelle festlegen“. (Coming soon, stay tuned…)

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